Mich packte vor ein paar Tagen die Lust, mal wieder in meiner Vinyl-Sammlung zu stöbern und dabei fiel mir das Album „Sverige Situation“ der Band „The Hot Dog Experience“ in die Hände. Das Album war noch eingeschweißt, die Herkunft vollkommen unbekannt und auch die Band sagte mir nichts. Ich habe dann mal versucht, ein paar Informationen über die Band herauszufinden, was nicht so einfach war.
Die Band gründete sich Anfang der 80er und bestand aus Günther Rechinger, Jochen Obinger, Tildan Toldan und Jürgen Berger. Gerüchten zufolge war die Idee dazu in einem schwedischen Möbelhaus geboren, in dem die 4 Männer von ihren Partnerinnen am Snackstand geparkt wurden. Während die Frauen in aller Ruhe ihr heimisches Arsenal an Deko, Teelichtern und Glühbirnen auffüllten, kamen die Männer ins Gespräch über die alternativen Anwendungsmöglichkeiten der einzelnen Hotdog-Bestandteile. Sie freundeten sich an und trafen sie sich regelmäßig, um die Ideen weiterzuentwickeln. Wenige Monate später war „The Hot Dog Experience“ geboren, eine Band dessen Erfolgsgeheimnis es fortan war, einen einzigartigen Sound zu kreieren, der aus Tönen bestand, die die komplett den Hotdog-Bestandteilen entlockt wurden.
Günther Rechinger spielte auf dem Bockwürstchen, das er zu einer Querflöte umfunktioniert hatte. Er fertigte das Instrument mit einer solchen Perfektion vor jedem Auftritt frisch an, dass er ihm immer wieder die gleichen Töne entlockte, was wirklich faszinierend war.
Jochen Obinger gab den Takt vor, indem er Schlagzeuggeräusche durch das zusammenschlagen von 2 in der Innenseite getoasteten Brötchenhälfen erzeugte. Er war eher schlampig in der Instrumentenherstellung, sodass manchmal auch getrocknete Brötchen aus der Vorwoche Verwendung fanden, was den Sound verfälschte und seine Mitmusiker zunehmend nervte.
Tildan Toldan war der Virtuose an der Gewürzgurke, die als Blockflöte herhalten musste. Er hatte leicht autistische Züge und so konnte es sein, dass seinen Ansprüchen nur eine Gurke pro Glas genügte, die es verdient hatten, von ihm geblasen zu werden. Bei einem Stück spielte er außerdem auf einer Art Panflöte, für die er 8 Gewürzgurken ausgehöhlt und akkurat zusammengebunden hatte. Was die Zahl 8 für die Auslese bedeutete, kann man sich ja bildlich vorstellen.
Jürgen Berger war der Leadsänger, der die Songs außerdem mit einem „Regenmacher“ begleitete, bei dem es sich um eine Schokolinsen-Rolle handelte, die der mit Röstzwiebeln gefüllt hatte. Bei ihrem ersten Auftritt übergoss er sich in einer Art Aktionskunst mit Hotdogsauce und Ketchup aus Quetschflaschen, um die Bestandteile der Hotdogs zu komplettieren. Das bereute er aber beim Abgang von der Bühne, da er auf der glitschigen Masse ausrutschte, sich dabei das linke Schlüsselbein brach, wieder slapstickartig versuchte, sich aufzurappeln, um sich dann blöderweise beim zweiten Sturz noch das rechte Schlüsselbein zu brechen.
Neben Deutschland, Österreich, Schweden und Luxemburg spielte die Band auch eine Tour durch die USA und Kanada. Kanada war ein Herzenswunsch von Tildan Toldan, dem Mann an der Gurke, der Begeisterung am Schlaf-Apnoe-Tauchen gefunden hatte und Kanada bekanntlich über die größte Anzahl an Seen verfügt. Seine Atemaussetzer von bis zu 12 Minuten gaben den Medizinern Rätsel auf, brachten ihm aber die Möglichkeit, unter Wasser so manchen Rekord aufzustellen und auch die Gurke sehr ausdauernd zu blasen. Die ersten 7 Konzerte in Kanada verliefen problemlos, dann aber musste die Band alle weiteren Konzerte absagen, da Tildan eines Morgens nicht am Treffpunkt aufgetaucht war, da er, was die Ermittlungen der Polizei ergaben, einfach nicht mehr aufgetaucht war.
Die verbliebenen Musiker fanden es pietätlos, ohne Tildan weiter unter dem alten Bandnamen aufzutreten und brachten daher ihre nächste Platte „Triptychon ist kein Dinosaurier“ unter dem Namen „The Lost Cornichon“ auf den Markt. Diese floppte dermaßen, dass sie auf den Produktionskosten und 13000 Vinylplatten sitzen blieben. Ihre Wege trennten sich und sie sprechen bis heute kein Wort mehr miteinander.
Aber was machen die verbliebenen Bandkollegen von damals denn heute so? Was ist aus ihnen geworden?
Günther Rechinger ist immer noch über die Landesgrenzen bekannt, da er das überaus erfolgreiche Näh- und Stickstübchen „Der Stichling“ betreibt, in dem er von ihm angefertigte oder mitgebrachte Anglerhemden mit Zierstickungen in Fischoptik versieht. Er hat außerdem das Patente für den „Goldenen Jockel“, einem Pendant zum Seepferdchen beim Schwimmen. Tragen darf das weltweit hoch angesehen Abzeichen nur derjenige Angler, der den Fang eines Raubfischs, eines Friedfischs, eines Salmoniden und eines Meeresfischs nachweisen kann. Eine Marktlücke, die ihm seinen Lebensabend finanziert und das nicht zu schlecht. Er lebt heute in Datteln im Speckmantel, wie die Alteingesessenen das Reichen- und Prominentenvietel der Stadt nennen.
Jürgen Berger, von vielen in Anlehnung n seinen Nachnamen nur noch „Drückeberger“ genannt, hat ein todsicheres System ausgeklügelt, um Spielautomaten ihrer Füllung zu „berauben“, was ihm in immer mehr Spielotheken ein Hausverbot einbrachte. Daher bildete er Nachwuchs aus, den er dann deutschlandweit in die Spielsalons schickte und die ihm immer noch einen luxuriösen Lebensabend ermöglichen. Heute kann er sein Wissen nicht mehr weitergeben, da er durch das dauernde Intervall-Drücken eine Nervenkrankheit entwickelt hat, die es ihm noch nicht mal mehr ermöglicht, einen normalen Lichtschalter auf An oder Aus zu stellen. Einmal morste er aus Versehen „Hilfe, ich werde hier gefangen gehalten“, was zum Stürmen des Hauses durch ein Sondereinsatzkommandos führte und ihn dazu veranlasste, alle Schalter auf Dimmer umzustellen.
Jochen Obinger, erfüllte sich seinen Kindheitstraum und wurde deutschlandweit der größte Verleiher von Jetskis. In der Nachbarschaft nannte man ihn aber nicht deshalb Jetski-Jochen, sondern weil er bei einem Unfall mit einem Jetski nicht mehr zu einem „normal“ am Leben teilnehmen konnte. Nachdem er bei voller Fahrt unfreiwillig den Jetski verlassen und mit dem Hinterkopf auf der Wasseroberfläche aufgekommen war, geriet sein Leben nämlich komplett aus den Fugen, obwohl er nicht im Sanitärbereich arbeitete. Seine Umwelt musste seitdem mit sehr abstrusen Handlungen umgehen. So versuchte er zum Beispiel 2 Jahre lang, einem Papageienfisch-Pärchen das Sprechen beizubringen, was natürlich nicht gelang. Außerdem nahm er einen 57-minütigen Akustik-Track mit dem Titel „Wollust braucht kein Zopfmuster“ auf, der insgesamt nur aus 237 Brötchenhälften-Geräuschen besteht und für den er keine Plattenfirma fand. Vor 11 Monaten rannte er dann nur mit einem Fleischwurst-Kringel mit Knoblauch als Nackenhörchen um den Hals bekleidet durch das Löwengehege des örtlichen Zoos, das er nicht mehr lebend verließ. Neben abgenagten Knochen blieb nur der Fleischwurst-Kringel über, da weder die Löwenmama Silvia, noch das Löwenjunge Cedric-Rambo Knoblauch etwas abgewinnen konnten.