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Kunstrasen

Wilbur Brömmicke ist der unsportliche Mensch der Welt und sicherlich die einzige Person weltweit, die sich einen Tennisarm am Knöchel zugezogen hat. Wilbur hat in seinem Leben viele Sportarten ausprobiert, wie etwa das Joggen im Alter von 13 Jahren. Das sah bei ihm so aus, als würde ein 70-Jähriger nach einem Autounfall in einem abgelegenen Waldgebiet Hilfe holen. Er war dabei nämlich so langsam, dass er nie Klingelmännchen-König hätte werden können, denn sein Tempo erreichten andere Kinder fast im Stand.

Wilbur versuchte sich auch mal im Segeln. Er hatte sich extra auf der Sonnenbank dunkelbraun geschlafen. Auch kleidungstechnisch hat Wilbur alles gegeben, wirke fast etwas verkleidet. Die weiße Hose, die die Knöchel genauso wenig erreichte, wie die Titanic damals den Zielhafen, wurde gehalten von einem viel zu langen, blauen Flechtgürtel, den er mit einem Achterknoten auf die richtige Länge gebracht hatte. Dazu kombinierte er ein blau-weiß gestreiftes Hemd und ein rotes Halstuch, natürlich geknotet. Seine Füße glitten barfuß in Bootsschuhe aus Pferdeleder, die von ihm 3 Wochen in der prallen Sonne gelagert wurden, um den Mitseglern zu suggerieren, dass die Treter schon so mache Seemeile gesehen hatten. Er sah in etwa so aus, wie eine südamerikanische Kopie vom Fischstäbchenmann aus der Werbung, nur mit weniger Charisma, weniger Uniform und natürlich weniger Seelachs. Zu dumm, dass er vor der ersten Fahrt vom Bootssteg fiel und mangels Schwimmfähigkeiten fast ertrank. Das war ihm so peinlich, dass die anderen ohne ihn die Segel hissen und in See stechen mussten.

Einige Jahre später investierte er seine Zeit in eine lange unterdrückte Vorliebe, nämlich Kunstrasen. Hierbei handelt es sich um einen im Motorsport noch relativ unbekannte Art des Wettbewerbs, der 2001 von Schweden Bjarne Einar Knöben erfunden wurde. Ziel ist es, bei voller Beschleunigung abzubremsen und mit dem Reifenabrieb ein vorgegebenes Muster auf den Asphalt zu zaubern. Experten sprechen hier von Fahrbahnrasur, da durch das Bremsen eine dünne Asphaltschicht abgetragen wird und der Gummiabrieb sich vergleichbar mit einem Aftershave-Balsam auf diesen Teil der Straße legt.

Dieser Sport findet natürlich nicht auf abgesperrtem Gelände statt, was dazu führte, dass Wilbur bereits bei der 10. Fahrt zwei Radfahrer erwischte. Seiner Aussage nach hatte er nichts gesehen, war nur verunsichert durch das immer lauter werdende Geknister im Radkasten hinten rechts. Da die angefahrenen Radfahrer sich sein Kennzeichen gemerkt hatten, wurde er innerhalb von 20 Minuten gefasst, als er gerade auf dem Weg zu seinem Kumpel Felgen-Ulli war, um den Wagen richten zu lassen. Ihm fehlten ganze 350 Meter bis zum Erreichen der Autowerkstatt und somit zum Spuren vernichten. Er wurde zu 3 Jahren ohne Bewährung verurteilt, da die Fahrerflucht negativ ins Gewicht fiel.

Auch ein leichter Alkoholgehalt im Blut brachte den Richter dazu, eine Haftstrafe ohne Bewährung auszusprechen. Hierbei wurde ihm zum Verhängnis, dass er lebensmitteltechnisch nichts wegschmeißen konnte. Er hatte nämlich vor der Fahrt hastig 10 überreife Fairtrade Bananen aus der Obstretter-Tüte seines Lieblings-Bioladens verspeist, was dann beim Alkoholtester einen Wert von 0,25 Promille ergab. Er fand es sehr ungerecht vom Richter, dass ihm das negativ angerechnet wurde, die Verstopfung, die er durch die Bananen an den drei auf den Vorfall folgenden Tagen hatte, aber nicht strafmildernd Anerkennung fand.

Im Gefängnis lernte Wilbur den Ex-Hütchenspieler Marlon Kempen kennen, der ihm auf undurchsichtigen Wegen ein Smartphone besorgte und ihn in die Geheimnisse des Online-Karate einweihte. Hierbei handelt es sich um eine in Asien sehr gut bezahlte Sportart, die mit dem früher beliebten Fernschach vergleichbar ist, nur halt auf eine moderne Art. Man schickt per Messenger eine Schlag- oder Trittfolge und versucht so den Gegner zu besiegen. Wilbur schaffte es auf Anhieb bis ins Halbfinale der Tokio Open. Leider wurde dann bei der Zellenkontrolle das Smartphone gefunden und konfisziert. Dadurch endete auch diese Sportkarriere, bevor sie noch richtig begonnen hatte.

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