Jochen Breling-Berger besaß eine riesige Sammlung von Kühlschrank-Magneten. Seinen Schätzungen zufolge waren es über 20000 Stück, denn ehrlich gesagt hatte er selbst irgendwann den Überblick verloren. Er wusste nur noch, dass sich an seinem Kühlschrank die stattliche Anzahl von 137 unterschiedlichen Magneten aus aller Welt befand. Die waren handverlesen, da es sich meistens um einzigartige Ausführungen handelte, die es an den Kühlschrank schafften, da war Jochen pingelig. Ein Magnet war zum Beispiel mit einer echten Kuhglocke versehen, ein weiterer mit einem großen Steinsplitter vom Mount Rushmore und wieder ein anderer mit einer Original-Pistole aus einem 007-Film. Schon lange hatten ihn Freunde und Verwandte vor der Kipp-Gefahr gewarnt und ihn gebeten, den Kühlschrank an der Wand zu sichern, aber er schlug alle Warnungen in den Wind. Das rächte sich Monate später, denn als er gerade seine neueste Choreografie für den bevorstehenden Wettbewerb beim Merengue-Kollektiv Dortmund-Hörde einübte, stieß er mit dem linken Arm gegen den Kühlschrank, der dabei mit einem krachenden Geräusch umfiel und sein rechtes Bein unter sich begrub.
Ab dem Moment war er auf der Einbeinstraße des Lebens unterwegs, denn was von den Knochen über war, bezeichnete der diensthabende Arzt liebevoll als Körperteil-Akropolis. Das Bein war einfach nicht mehr zu retten und so hieß er seit diesem Tag in der ganzen Stadt nur noch Flamingo-Jochen. Er fand den Spitznamen allerdings unpassend, da er eine wahre Körper-Vokuhila hatte, also kurze Brusthaare, dafür aber Rückenhaare bis zur Hüfte, die er wahlweise als Flecht-, Knüpf-, Dreh-, Zwirbelzöpfe oder offen trug. Der anonyme Fellträger identifizierte sich daher eher als Bär, aber die stehen halt selten auf einem Bein.
Jochen spielte gerne Fußball, daher bauten ihm seine Freunde eine Vorrichtung, die ihm die Möglichkeit bot, seine Lieblingsposition (Torwart) weiter auszuüben. Sie bohrten jeweils ein Loch in jeden Pfosten und führten eine Eisenstange von einer Seite zur Anderen. So konnte Jochen am Spiel teilhaben, indem er immer von 2 Kumpels, die sich an dem Pfosten befanden, hin und her geschoben wurde. Durch diese Stange schwebte er immer 15 cm über dem Boden und konnte so neben flachen und halbhohen Schüssen auch mit ausgestreckten Armen diejenigen halten, die gegnerische Spieler in Richtung Winkel schossen.
Finanziert wurde das alles von Walter Schabelonski, dem Mäzen und Präsidenten vom TUS Blau-Gelb 1967. Der hatte einen TV-Bericht über Xavier de los Puertas gesehen, der bei einem Stierkampf in Spanien ein Beim verlor und von einem befreundeten Schreiner eine Vorrichtung gebaut bekam, die ihm das Fußballspielen ermöglichte. Xavier wurde in diese Konstruktion eingespannt und damit immer von seinen Teamkollegen zu Freistoß-Situation getragen. Dort haute ein Mitspieler auf den an Xaviers Kopf befindlichen Knopf, der eine Bewegung des beinersetzenden Holzbeins auslöste und der Ball dadurch Richtung Tor bugsiert wurde. Ganze 34 Freistoß-Tore erzielte er so in der Rekordsaison und wurde Torschützenkönig der Liga.
Walter, allen nur als Warn-Barken-Walter bekannt, hatte es durch das Aufstellen von Warnbarken auf Autobahnen zu einem stattlichen Vermögen gebracht. Verkehr lag in seiner DNA, denn sein Vater war beruflich als Schildermodel tätig und hatte sogar Werner in Kindheitstagen mit involviert. So sind die beiden etwa auf den Schildern „Gehweg“, „Spielstraße “ und „Kinder“ gemeinsam zu sehen und damit unsterblich im Stadtbild verewigt. Die Affinität zum Stehenlassen entdeckte er in seiner Jugend als Fußballer, allerdings waren das bei Dribblings damals noch gegnerische Abwehrspieler. Das alles zusammen brachte ihn auf die Idee der Warnbarken, die er ab dem Moment auf allen Autobahnen im Umfeld aufbaute und dem Land in Rechnung stellte. Zu seinem Vorteil hatten die schon lange jegliche Übersicht über ihre Autobahnbaustellen verloren, wodurch sie seine Rechnungen ohne weitere Prüfung anstandslos bezahlten. Als es doch einmal aufflog, war es den Sachbearbeitern so peinlich, dass sie mit Walter Stillschweigen vereinbarten und ihm auch heute noch jede Rechnung anstandslos bezahlen.
Jochens Genehmigung für den Spielbetrieb hat der Verein auch durch den Verweis auf Xavier de los Puertas schnell bekommen und ist seit 17 Spielen ohne Gegentor. Auf der A40 stehen seit gestern 30 neue Warnbarken, die nie einen Bauarbeiter, einen Bagger oder eine Asphaltiermaschine zu Gesicht bekommen werden. So konnte auch der Umbau des Tores problemlos finanziert werden.
Gut Kick.